Donnerstag, 25.02.2016

From the bottom of my heart

Bereit für den ehrlichsten Beitrag, den ich je geschrieben habe? Sicher? Okay, here it comes: Reisen ist nicht immer super. Ich kann förmlich spüren wie einige enttäuscht die Schultern sinken lassen, mit den Augen rollen und mir am liebsten sagen wollen: „Okay Lara, erzähl uns was Neues. Dass reisen auch manchmal blöd ist, wussten wir vorher auch schon“. Ehrlich? Ich nämlich nicht.

Jeden Sommer trudeln hunderte von wahnsinnig tollen Strand- und Reisefotos auf Facebook ein und jeden Herbst hört man dann Geschichten von den tropischsten und unglaublichsten Orten, an denen verschiedene Freunde und Bekannte eine großartige Zeit verbracht haben. Nun gut, jetzt bin ich ja genau genommen nicht auf Urlaub, sondern im Studienauslandssemester, aber ihr solltet mal die Schwärmereien der Leute hören, die schon ein halbes Jahr im Ausland studiert haben.  Ausnahmslos alle behaupten, dieses Semester wäre eine der besten Zeiten ihres Lebens gewesen. Da gibt es aber Dinge, die nirgendwo zur Sprache kommen. Und ich rede nicht von verspäteten Flügen oder seltsamen Hotels.

Dass man sich manchmal alleine fühlt, zum Beispiel. Dass man eine halbe Stunde lang hungrig durch die Uni rennt weil sich die anderen Studenten alle kennen und man als Neuling nicht in ihre Gespräche reinplatzen will, um nach dem Weg zur Cafeteria zu fragen. Dass man seine Familie vermisst. Und seine Freunde. Dass man sich fremd und unwohl fühlt und sich fragt, warum man das hier eigentlich macht. Dass man in sein neues Zuhause kommt und sich nicht Zuhause fühlt. Leute kennenlernt, bei denen man von Beginn an spürt, dass sie nicht die richtigen sind und trotzdem krampfhaft versucht, mit ihnen befreundet zu sein, damit man am Schluss nicht allein dasteht. Und würden diese inneren Unsicherheiten nicht reichen, bekommt man auch von außen noch Druck.

Nicht nur, dass ich dauernd das Gefühl habe, etwas zu verpassen, weil es an einem Tag fünf verschiedene Events an acht verschiedenen Orten gibt und ich mich einfach nicht durch fünf teilen kann (oder durch acht?). Zudem sollte man dann schon die Erwartungen erfüllen, die die Gesellschaft an so ein Auslandssemester stellt. Möglichst viel über diese neue Stadt erfahren, zum Beispiel. Viele neue Leute kennenlernen und mit diesen eine tiefe Freundschaft aufbauen, viel herumreisen und das am besten alleine, weil man so möglicherweise verloren geht und dabei zu sich selbst findet. Aber nicht bloß in Istanbul bleiben oder Ausflüge in andere Städte der Türkei machen, man muss schon auch die Nachbarländer besucht haben. Oh, und studieren bitte nicht vergessen.

… und irgendwann, nach einem verzweifelten Weinanfall hab ich mich gefragt, muss ich das? Muss ich alles an dieser Stadt aufregend und großartig finden? Muss ich alleine durch Istanbul laufen um dann irgendwo im nirgendwo statt ein nettes Café mit Meerblick hoffentlich mich selbst zu finden? Muss ich mich mit allen Leuten hier super verstehen? Muss ich mich auf eine mittelmäßige Party quälen, bloß weil "alle dorthin gehen", um mir dann von einem betrunkenen Studenten mit schlechtem Englisch noch schlechtere Anmachsprüche ins Ohr schreien zu lassen? Nein, einen Scheiß muss ich. Und nach dieser sehr erleichternden Erkenntnis konnte ich den Druck zur Seite schieben und mich auf die Dinge konzentrieren, die ich liebe.

Ich liebe Istanbul. Ich liebe es, zum Geruch von warmen Simits aufzuwachen und die Verkäufer draußen rufen zu hören, sobald ich mein Fenster öffne. Ich liebe es, drei Gehminuten vom Meer weg zu sein. Ich liebe die politisch-emotionalen Konversationen mit meiner amerikanischen Mitbewohnerin und ich liebe es, wenn wir abends im Wohnzimmer zu alten Popsongs tanzen. Ich liebe meine türkischen Kurse, in denen sich die Professoren fortwährend bemühen, meinetwegen keine zu schwierigen Begriffe zu verwenden. Ich liebe den Blick von meiner Uniterrasse und das Gefühl, mit den richtigen Freunden dort zu sitzen und mir ihre Meinungen und Gedanken anzuhören, die oft so völlig anders sind als die meinen. Ich liebe das Essen. Ich liebe es, dass meine türkische Mitbewohnerin dauernd superhealthy Zimt-Vanille Tees und Avocado -Smoothies mixt und mich durchprobieren lässt. Ich liebe die Geräusche der Autos, der lachenden und durchwegs redenden Menschen, der Katzen und Vögel und der wütenden Taxifahrer. Ich liebe es, mit der Fähre auf die asiatische Seite zu fahren. Ich liebe es, zu merken, wie mein Türkisch und Englisch jeden Tag besser werden. Und langsam beginnt sich dieses Semester anzufühlen, als würde es eine der besten Zeiten meines Lebens werden.

Küsschen aus Istanbul :-*

  PS: Die Haare sind ab :-D Kadiköy

Dienstag, 16.02.2016

Prinzeninseln

Look Mami, I have friends!

Während viele meiner Freunde gestern Sprüche wie "Nicht schon wieder Montag" und "Who invited monday" gepostet haben, war mein Montag ziemlich ziemlich großartig :-D Einige von uns - mich eingeschlossen - haben sich ihre Kurse so eingeteilt, dass wir montags immer frei haben und so etwas unternehmen können, und gestern war das ein Ausflug auf die Prinzeninseln. Diese Inselgruppe liegt mit der Fähre eine halbe Stunde bis zwei Stunden von Istanbul entfernt, je nachdem, welche Insel man besuchen will. Wir haben uns für Büyükada, die größte Prinzeninsel entschieden. Der Name "Prinzeninseln" kommt übrigens daher, dass früher öfter Fürsten auf diese Inseln verbannt wurden. Also wenn ich die Wahl habe und kein Partytiger bin, würde ich mich auch gerne dorthin verbannen lassen. Nur damit ich das mal gesagt habe, sollte ich je in die Situation kommen. Man weiß ja nie wo einen das Leben hinbringt. Aber weiter im Text:

Nachdem wir die Fähre fast verpasst hätten, wären wir nicht wie die Gestörten zum Anlegeplatz gerannt, genossen wir die Ruhe und das entspannte Geschaukel unserer zweistündigen sonnigen Fahrt. Als wir dann auf der Büyükada abstiegen, traf uns die Stille wie ein Schlag: Nach all dem Autolärm, Gehupe, Gebrülle, Gelächter, Katzenmiauze und Hundegebelle in Istanbul kam uns die Büyükada wie eine Totenstadt vor - im guten Sinn!! Es war, als wären wir um mehrere hundert jahre zurückversetzt worden - auf der Insel gibt es keine Autos, man kann entweder mit einer Kutsche, dem Fahrrad oder zu Fuss auf Abenteuertour gehen. Wir entschieden uns dafür, die einzige Sehenswürdigkeit der Büyükada, eine Kirche mit unglaublicher Aussicht am höchsten Punkt der Insel zu Fuss zu erkunden. Nach einem zwei Stunden langen Marsch hatten wir es dann auch geschafft - und für diese Aussicht hat sich jeder Meter gelohnt :-)

Da einige von der Gruppe am selben Tag noch Unikurse hatten, sind wir nach einem Cay und ein paar Börek im Restaurant neben der Kirche auch schon wieder den Rückweg angetreten. Apropos Uni, ich hatte heute meinen ersten anstädnigen Kurs - World Cinema - der in einem kleinen Kinosaal in der Uni stattfand, was ja schon ziemlich cool ist. Aber es kommt noch besser: der Kurs ist so aufgebaut, dass wir jede Woche einen Film schauen und anschließend darüber diskutieren. DAS WARS. Ich liebe diese Uni.

Küsschen aus Istanbul :-*

Sonntag, 14.02.2016

"Die größten Gauner dieser Welt...

© Emma MinkoffHagia Sophia  Hagia Sophia Sultan Ahmet Moschee International Vegetarian Dinner Früüühstück :-)Connection between Asia and Europe.© Rachel Dieter

 

... sind die türkischen Taxifahrer!" Mit diesem Vorurteil warf meine (türkische) Freundin letztens beim Frühstück um sich und leider konnte ich ihr nicht wirklich widersprechen. Während wir mit unseren Türkisch-Kenntnissen (an dieser Stelle ein riesiges DANKE an meine Mama für's Stursein und Türkisch-Beibringen) den meisten Gaunereien noch entkommen, werden unsere internationalen Freunde über den Tisch gezogen, wo immer es nur möglich ist. Es ist schon verwunderlich, wie ein und dieselbe Strecke nach Hause mal 10 und mal 44 Lira kostet und wie die Essenspreise steigen, wenn man auf Englisch nach der Rechnung fragt.

Ich bin übrigens umgezogen, was eine absolute Strapaze war, aber für diese Geschichte reicht der Platz in diesem Blog nicht aus. Jedenfalls wohne ich jetzt mit einer amerikanischen Freundin und einer sehr süßen Türkin in Besiktas, fünf Gehminuten von meinem Unikampus und dem Bosporus entfernt :-) Die Location ist damit echt super, von der alten Wohnung aus hab ich täglich 20 Minuten mit dem Bus zur Uni und 40 Minuten zurück nach Hause gebraucht. Das ist in Istanbul zwar nicht viel, aber ihr wisst ja, man bekommt das Mädchen aus dem Dorf aber das Dorf nie aus dem Mädchen... naja und ich bin in Innsbruck aufgewachsen, durch das man in den 20 Minuten durchgefahren ist, die ich zur Uni gebraucht habe.

Am Samstag gab's eine Gratis-Führung für Studenten durch die Hagia Sophia und die Sultan Ahmet Moschee, an der ich als brave Studentin natürlich teilgenommen habe. Und ich hab's nicht bereut, die Geschichte und die Schönheit dieser beiden Gebäude hauen einen wirklich um. (Und wenn das nicht reicht, dann garantiere ich euch: der Geruch nach Schweißfüßen in der Sultan Ahmet Moschee haut selbst den stärksten Mann um. Da man in der Moschee keine Schuhe tragen darf und alle ihre durchgelaufenen Schuhe in einem Plastiksäckchen mit sich schleppen... ihr könnt es euch vorstellen...)

Drückt mir die Daumen, dass das Wetter am Montag schön ist, dann geht es auf zu einem Tagesausflug zu den Prinzen Inseln :-)

Küsschen aus Istanbul :-*

 

Samstag, 06.02.2016

Es ist vorbei...

 Mein ZimmerMein Zimmer

 

... mit der Orientierungswoche für Austauschstudenten, nächste Woche geht’s dann mit dem Ernst des Unilebens los (just kidding). Ich hab meine Kurse nun ausgewählt, wobei meine Kommunikationswissenschaft-Kurse in einem anderen Campus stattfinden, zu dem man mit einer universitätseigenen Fähre gebracht wird (das ist so fancy ich weiß). Dieser Kommunikations-Campus hat zwar eine riesige Terrasse mit Aussicht auf’s Meer und einen eigenen Stock nur mit Computerräumen und Sitzsäcken zum Lernen und Schlafen, aber ich fand den anderen Campus mit dem Studentencafe direkt am Meer trotzdem netter. Zum einen komme ich dort mit einem Bus direkt hin, zum anderen ist die Gegend rundherum voll mit kleinen Lokalen und Geschäften und zudem stell ich es mir gerade im Sommer toll vor, nach den Kursen noch ein bisschen im Universitätsgarten mit Meerluft zu chillen. Daher ist meine Wahl neben Journalismus Kursen und „World Cinema“ auf „Developmental Psychology“ und „Current Issues in World Politics“ gefallen – hoffentlich ist es so cool, wie es sich anhört :-) Die erste Woche ist aber ohnehin die „Add and Drop Week“, nach dieser Woche kann ich also meinen gesamten Stundenplan noch einmal über den Haufen werfen, sollte mir etwas nicht gefallen haben.

Vorgestern waren wir im Istanbul Museum of Modern Arts und ich bin wirklich kein Museumsfan, aber das war doch „pretty cool“ (wir haben einige Austauschstudentinnen aus Amerika und langsam komm ich mit Englisch, Deutsch und Türkisch so durcheinander, dass ich beim Kellner letztens auf Deutsch bestellt habe). Mitten im Museum hing eine Schaukel, außerdem waren Videos von bauchtanzenden Männern, einige Landschaftsbilder, die dadurch aufgepeppt wurden, dass jemand seinen Finger ins Foto hielt und an der Decke schwebende Bücher, die – so glaube ich – Vögel darstellen sollten. Wirklich empfehlenswert, und der Eintritt ist für Studenten donnerstags kostenfrei. Die Stimmung nach dem Museumsbesuch war allerdings eher angespannt, da wir alle einen Mörderhunger hatten und unsere Buddys meinten, es wäre noch ein Weg von 10 Minuten bis zum Restaurant. 10 Minuten scheinen in der Türkei aber etwas anderes zu sein als 10 Minuten irgendwo anders. Ich weiß, was ihr denkt… halbe Türkin und so… ich hätte es ahnen müssen. Der schlussendlich 30 Minuten lange Weg hat sich aber gelohnt: als wir dann endlich beim Restaurant ankamen, warteten die mit einem riesigen „balik ekmek“ (Brot mit Salat und gegrilltem Fisch) auf uns.

Übrigens – nicht nur zeittechnisch scheinen hier einige Dinge anders zu laufen als in Österreich, auch Wegbeschreibungen sind etwas ganz besonderes. Wann immer ich bislang nach dem Weg gefragt habe, meinte mein türkischer Gegenüber „bu tarafa“ (da lang) und zuckte mit dem Kopf in eine undefinierbare Richtung. Dabei wird man aber so nett angelächelt, dass ich es nicht über's Herz bringe, weiter nachzufragen und stattdessen einfach in irgendeine Richtung weiterlaufe. Ist ja nicht so, als müsste ich irgendwo pünktlich sein, ein "15 Minuten zu spät kommen" ist allein wegen des Verkehrs in Istanbul immer eingeplant.

Nachdem für den gestrigen Tag kein Programm geplant war, wollten meine Mama und ich durch die Einkaufsstraßen bummeln. Es war allerdings so regnerisch und superwindig, dass wir nach einer halben Minute umgedreht sind, Kekse und Tee gekauft und Zuhause türkische Serien geschaut haben. Apropos Zuhause, mein Zimmer ist nun auch endgültig eingerichtet J

Heute Abend geht es dann auf zur ersten Erasmus Welcome Party – I’m so excited and I just can’t hide it!

Küsschen aus Istanbul :-*

Dienstag, 02.02.2016

Süßer Käse, Joghurt und Lara Croft

Erasmus girlies  Ausblick von der Uni-TerrasseWeg zur Uni

Merhaba!

Zum ersten Mal in meinem Leben hab ich mich wie Lara Croft gefühlt. Ich wollte gestern mit dem Bus zur Uni fahren und kam gerade an die Bushaltestelle, als mein Busfahrer auf’s Gas trat. Als ich wie wild anfing zu winken, öffnete der Fahrer während dem Fahren die Tür und deutete mir, hineinzuhüpfen. Nach einer kurzen Schreckenssekunde und einer noch kürzeren Überlegungssekunde bin ich dann – cool wie James Bond und sexy wie Cindy von Marzan – in den Bus gesprungen. Ich dachte echt, ich wäre cool, aber Freunde, dieses während-dem-Fahren-in-den-Bus-einsteigen scheint ziemlich normal und unspektakulär zu sein in Istanbul. Heute hat der Fahrer die Türen sowieso die ganze Zeit offen gelassen, weil es so heiß war. Der Busweg zur Uni konnte mich allerdings über meine verlorene Coolness trösten, es ist der Wahnsinn! Ich brauch zirka 20 Minuten und fahre eine steile Straße runter direkt zum Meer, da auch meine Uni genau am Bosporus liegt.

Gestern hab ich außerdem die anderen Erasmus Studenten kennengelernt – so viele Deutsche, die sind einfach überall :-O – und wir haben „Ice Breaker“ und andere Spiele gespielt… ratet mal, wer das entscheidende Spiel gewonnen und somit free dinner bekommen hat? Oh ja ;-) Wobei die Nachspeise irgendwas traditionell türkisches war, das wie ein kleiner Honigkuchen aussieht, aber mit Käse gefüllt ist… die meisten waren nicht so superangetan von der Käse-Überraschung, mich eingeschlossen.

Heute stand eine Bosporus Tour und traditionelles Joghurt essen am Plan haha, und wer jemals bei mir Zuhause zum Essen war, weiß, dass selbst halbe Türken zu absolut allem Joghurt essen – Früchte, Müsli, Spinat, Reis, Nudeln, Fleisch… die Liste ist endlos. Was allerdings selbst ich zum ersten Mal gegessen habe, war pures Naturjoghurt mit Puderzucker… klingt superlangweilig, schmeckt superlecker :-D Wir sind dann noch auf einen kleinen Hügel gewandert, um die Brücke, die Asien und Europa verbindet, besser sehen zu können. Ach ich hör auf zu reden, die Bilder sagen eh mehr als tausend Worte. Gute Nacht und

Küsschen aus Istanbul :-*

Sonntag, 31.01.2016

Mein Einzug in die Wohnung

Nach der ersten Nacht im Hotel bin ich gestern in das Zimmer eingezogen, das für das nächste Semester das meine ist. Im dritten Stock mit einer ursüßen Wienerin und einem Türken, den ich bisher leider noch nicht kennenlernen konnte – zwei Gemeinschaftsbäder, eine Gemeinschaftsküche und ein riesiges Zimmer für mich allein. So ging mein ganzer Samstag für ein Einzug drauf, außerdem hab ich mir ein paar pinke Polster, eine Kuscheldecke und eine Pinnwand gekauft, und auch das Bad mit einem rosa Teppich in Erdbeerform aufgehübscht (ich weiß, mein Mitbewohner wird mich lieben). Ich wohn gleich gegenüber von einem gigantischen Einkaufszentrum und zwei Metrostationen von Taksim entfernt, also superzentral. Die Straße selbst ist aber eine typisch türkische Seitenstraße – ich ziehe vor jedem, der nicht mindestens ein Mal am Tag über die aus dem Boden ragenden Pflastersteine stolpert, meinen imaginären Hut.

Die Vermieter meiner Wohnung sind übrigens absolut Gold wert. Sie haben mir nicht nur meinen 1000-Kilo-Koffer in den dritten Stock getragen (ich hab es mit den Klamotten vielleicht ein bisschen übertrieben), sondern mir auch die besten Studentencafes und Einkaufsmöglichkeiten gezeigt. Ach ja, und lauthals ausgelacht haben sie mich, als ich ein wenig beschämt erzählt habe, dass ganz Österreich nur acht Millionen Einwohner hat („Was?! Acht Millionen?! Lara, lad Istanbul doch mal zum Frühstück nach Österreich ein, damit wir ein bisschen Leben in euer acht Millionen Dorf bringen“).

Was gibt es sonst noch zu sagen? Es ist durchgehend laut, an den Großstadtlärm, das Hupen der Autos und die dauernden Sirenen werde ich mich gewöhnen müssen. Meine Mama ist noch bei mir – sie ist eben eine typisch türkische Mama, da wird die kleine Tochter beim Einzug nicht alleine gelassen – und sie hat meine Vermieter Löcher in den Bauch gefragt, ob mein Haus denn auch erdbeben-sicher wäre. Sie hat sich diese Angst vor Erdbeben so in den Kopf gesetzt, dass ich mich in den letzten zwei Nächten im Bett nicht bewegen durfte, wenn ich eine panische und hellwache Mutter vermeiden wollte :-D

Morgen geht es dann los mit der Orientation Week auf der Uni!

Küsschen aus Istanbul :-*

Freitag, 29.01.2016

Die Ankunft

Ich liebe Turkish Airlines. Nach meinen letzten Flugerfahrungen mit Sunexpress (wo man 3 Euro für ein Glas Wasser zahlt und nochmal 5 Euro drauf, wenn man für die Frechheit, bei der Stewardess ein Glas Wasser zu kaufen, nicht angeschnauzt werden will) und Ryanair (der schlechtesten Airline der Welt) war mir diese Aussage so wichtig, dass ich sie an den Anfang des Textes stellen musste. Von türkischem Honig über super Essen, Zeitschriften und selbst gemachten Limonaden… ich hab kurz überlegt, wieder zurückzufliegen, um noch ein bisschen was vom Service an Board zu haben. Ich hab meine Meinung schlagartig geändert, als ich aus dem Flughafengebäude raus bin. Freunde, wir haben strahlend blauen Himmel in Istanbul, kuschelige 15 Grad und es fühlt sich schon ein bisschen an wie Urlaub :-)

Ach ja, und wir haben einen Verkehr, wie ich ihn noch nie erlebt habe. 30 Minuten für 9 Kilometer… und ich hatte 40 Kilometer vor mir… ich hab ehrlich gedacht, ich werde wahnsinnig, während mir mein gut gelaunter Taxifahrer erklärte, dass ein zweistündiger Weg von Zuhause zur Arbeit in Istanbul völlig normal ist. Und auch sonst hatte er viel über die finanziellen Unterschiede und die Klassengesellschaft in der Türkei zu erzählen, während ich mit der Nase an der Fensterscheibe geklebt bin und meine Augen nicht von den Hochhäusern, den bunten Plakaten und dem Meer lassen konnte.

Nach gefühlten 50 Stunden mit schleichend langsamem Vorrankommen und ziemlich platter Nase hab ich es jetzt aber schlussendlich doch ins Hotel geschafft – morgen geht’s dann ab in die Wohnung und meine Mitbewohner kennenlernen :-) Drückt mir die Daumen!

Küsschen aus Istanbul :-*

Montag, 25.01.2016

Bald geht's los...

Nach dem schrecklichen Terroranschlag in Istanbul habe ich nicht nur einige Nachrichten von Freunden erhalten, die sich Sorgen machten und dachten ich wäre bereits vor Ort, ich habe auch zahlreiche Anrufe bekommen und unzählige Gespräche geführt, die alle auf dasselbe hinausliefen: Lara, willst du dir das mit dem Auslandssemester in Istanbul nicht doch anders überlegen?

Danke für all eure Gedanken und Sorgen, aber nein, will ich nicht. Eher hat sich in mir ein kleines Trotzgefühl ausgebreitet, dass schreit: Jetzt erst Recht. Als ich im Frühling letzten Jahres in Istanbul war, konnte ich beobachten, wie einige radikale Islamisten vor der Hagia Sofia und dem Sultan-Ahmet-Tempel demonstrierten, dass die Hagia Sofia kein Museum, sondern wieder eine Moschee sein sollte – und somit nur für Muslime zugänglich, nicht für Touristen. Außerdem ist der Platz vor Sultan-Ahmet einer der beliebtesten Touristenplätze in Istanbul. Zufall, dass dieses Attentat genau dort stattfand? Wohl kaum. Denn einerseits schadet es natürlich Istanbul und seinem Tourismus, wenn solch schreckliche Taten gerade an einem Touristenplatz passieren, und andererseits ist es auch ein Zeichen der Radikalengruppe Islamischer Staat, dass Touristen – die sich aber sowieso bedecken müssen, um so den muslimischen Glauben zu ehren – in den Moscheen nichts verloren haben.

Ein solches Zeichen will und kann ich nicht unterstützen. Als halbe Türkin habe ich mein Land anders kennengelernt und gerade Istanbul ist meiner Meinung nach eine der weltoffensten Städte überhaupt. Wie auch anders, wenn sich hier der europäische und asiatische Kontinent vereinen, täglich mehr als 14 Millionen Menschen die Straßen durchqueren und zusammen in einer Stadt leben? Nun nicht mehr in die Türkei zu reisen und damit die Radikalen in ihrer Meinung, der Islam sollte Nicht-Islamisten keinen Anteil an den Moscheen und sonstigem kulturellem Erbe haben lassen, unterstützen? So etwas könnte ich mit mir selbst nicht vereinbaren.

Vier Tage bleiben mir noch, dann geht es endlich los... Ein halbes Jahr nach Istanbul? Ja jetzt erst recht! Und ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich darauf freue :-)